Glossar
Ex-Gay-Bewegung
Die Ex-Gay-Bewegung fasst weltweit Gruppierungen zusammen, die eine Veränderung der homosexuellen Ausrichtung von Menschen, also eine Umpolung hin zur Heterosexualität, für möglich und dringend nötig halten. Der Ursprung dieser Bewegung liegt in den USA und jede dieser Gruppen möchte diese „Veränderung“ mit unterschiedlichen Therapiekonzepten vorantreiben.
Sie sehen sich als Gegenstück zur Homosexuellenbewegung und deren hart und mühsam erstrittenen Rechte, die sie gerne zurückfahren wollen. Dass Homosexualität von der Liste der Krankheiten gestrichen wurde, sehen sie als unwissenschaftlich und als Fehler an, der einem „aggressiven Druck“ der „Homolobby“ und deren „Komplizen“ geschuldet sei.Die Gleichstellung homo-, bi- und transsexueller Menschen ist für sie Teil einer Agenda einer von Feministinnen geprägten „Gender-Mainstreaming-Bewegung“, der sie die Zerstörung der Gesellschaft mittels Gleichstellung von Mann und Frau vorwerfen.
Der meist religiöse Hintergrund dieser Gruppen ist sehr unterschiedlich. Neben den vorwiegend evangelikalen Organisationen (Exodus International, Desert Stream Ministries) gibt es auch jüdische (JONAH), muslimische (StraightWay Foundation), mormonische (Evergreen International) und andere Gruppen. Die National Association for Research and Therapy of Homosexuality (NARTH) ist eine Vereinigung aus den USA, die versucht, sich einen wissenschaftlichen Anstrich zu geben. Viele dieser Organisationen haben sich zu dem Dachverband Positive Alternatives to Homosexuality (P.A.T.H.) zusammengeschlossen. Diese Gruppen sind gut vernetzt und politisch sehr aktiv.
Die Ex-Gay-Bewegung in Deutschland
In Deutschland gibt es eine handvoll Gruppierungen, die sich offen für die Umpolung Homosexueller einsetzen. „Veränderung“ nennen sie das oft verharmlosend. Man unterscheidet zum einen Fachverbände des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in Deutschland e.V., wie beispielsweise „Weißes Kreuz e.V.“ (Verantwortlicher: Rolf Trauernicht) oder „Offensive Junger Christen e.V.“ (OJC) – Kommunität in der Evangelischen Kirche – mit dem „Deutschen Institut für Jugend und Gesellschaft“ (DIJG, Verantwortliche: Christl Ruth Vonholdt). Auf der anderen Seite evangelikale Bewegungen wie beispielsweise „Wüstenstrom e.V.“ mit deren „Freundschaftsnetzwerk“ (Verantwortliche: Markus Hoffmann, Stefan Schmidt), oder das JASON Ex-Gay Ministry. Auffällig wurde auch das Love-4-You-Seminar der Gemeinschaft der Sieben-Tags-Adventisten.
Sie werden von mehreren Verbänden aus dem evangelikalen Spektrum – Deutsche Evangelische Allianz (DEA), Campus für Christus (CfC) – unterstützt und dienen als Propagandaschmiede für den Umgang mit Homosexuellen in der christlichen Jugendarbeit. Getragen wird das Ganze von homophob-konservativen Christen, die weitgehend der evangelikalen Strömung des Protestantismus, aber teilweise auch erzkonservativen Katholiken zuzuordnen sind. Hier treten häufig die Gender-Mainstreaming-Kritikerin
Gabriele Kuby und einige katholische Bischöfe, etwa der Salzburger Weihbischof Andreas Laun, als Unterstützer von Umpolungsorganisationen auf.


